
Microsoft Dynamics NAV, lange Zeit bekannt als Navision, wird nach wie vor in einer Vielzahl von KMU weltweit eingesetzt. Dieses ERP, das ursprünglich in den 1980er Jahren in Dänemark entwickelt wurde, hat Generationen von Unternehmen bei der Verwaltung ihrer finanziellen, logistischen und Produktionsströme begleitet.
Die Situation von Dynamics NAV verdient heute eine sorgfältige Prüfung: Angesichts des geplanten Supports-Endes, kommender Lizenzbeschränkungen und der Migration zu Business Central übersteigen die zu treffenden Entscheidungen bei weitem die einfache Softwarewahl.
Ende des Supports für NAV: Ein Zeitplan, der für KMU entscheidend ist
Die meisten online verfügbaren Inhalte konzentrieren sich auf das Ende des Supports für NAV 2018, das für Januar 2028 geplant ist. Dieser Punkt ist zwar real, verdeckt jedoch eine drängendere Realität für Unternehmen, die noch auf früheren Versionen arbeiten.
NAV 2017, eine Version, die in französischen KMU noch sehr verbreitet ist, sieht das Ende des erweiterten Supports am 11. Januar 2027. Für diese Version wird kein offizielles Programm für erweiterte Sicherheitsupdates angekündigt. Konkret bedeutet dies, dass betroffene Unternehmen ab diesem Datum keinen Zugriff mehr auf Sicherheitsupdates haben werden.
Für neuere Versionen wie NAV 2018 ist die Situation nach 2028 ebenfalls restriktiv. Wie in der Präsentation von Dynamics NAV durch ASCI detailliert beschrieben, deckt diese Software ein breites funktionales Spektrum ab, aber nach dem Ende des Supports werden Organisationen ihre Servicepläne nicht mehr erneuern oder zusätzliche Lizenzen erwerben können. NAV wird dann zu einem starren System, was konkrete Probleme in Bezug auf die Einhaltung von Vorschriften und Cybersicherheit aufwirft.

Dynamics NAV und Finanzmanagement: Was das ERP tatsächlich abdeckt
Der funktionale Kern von NAV basiert auf dem Finanzmanagement. Finanzbuchhaltung, Anlagenverwaltung, Bankabstimmungen, multidimensionale Budgets: Das Finanzmodul wurde für mittelständische Unternehmen entwickelt, die eine strenge Buchhaltung ohne die Schwere von ERP-Systemen für große Konzerne benötigen.
Im Gegensatz dazu bleiben die nativen Analysefähigkeiten von NAV im Vergleich zu den aktuellen Standards begrenzt. Die integrierten Dashboards und Berichte funktionieren, bieten jedoch nicht die Flexibilität moderner Business-Intelligence-Tools. Unternehmen, die NAV weiterhin nutzen, ergänzen häufig das Finanzmodul durch Exporte nach Excel oder Drittanbieter-Connectoren zu Power BI.
Lieferkette und Produktion in NAV
Über die Finanzen hinaus integriert NAV Module zur Lagerverwaltung, Beschaffung und Produktionsplanung. Diese Funktionen ermöglichen es, die Bestandsbewegungen zu verfolgen, Stücklisten zu verwalten und Fertigungsaufträge zu steuern.
- Die Lagerverwaltung unterstützt die Verfolgung nach Standort, automatische Nachbestellungen und die Bewertung nach mehreren Buchhaltungsmethoden
- Das Produktionsmodul verwaltet die Arbeitspläne, Maschinenkapazitäten und Fertigungsaufträge mit Berechnung des Nettobedarfs (MRP)
- Das Projektmanagement ermöglicht die Verfolgung von Budgets, zugewiesenen Ressourcen und der Abrechnung nach Fortschritt
Diese Module haben sich in industriellen und Handelskontexten bewährt. Ihre Hauptgrenze liegt in der Architektur: NAV funktioniert auf einem Client-Server-Modell vor Ort, was eine lokale Infrastruktur erfordert, die gewartet werden muss, sowie manuelle Updates.
Migration zu Business Central: Technische Einschränkungen und strategische Entscheidungen
Microsoft positioniert Dynamics 365 Business Central als direkten Nachfolger von NAV. Die technische Verwandtschaft ist real: Business Central übernimmt die Anwendungsengine von NAV und erweitert deren Fähigkeiten in einer Cloud-Umgebung.
Die Migration ist kein einfaches Upgrade. Der Übergang von NAV zu Business Central erfordert mehrere strukturelle Transformationen:
- Die Programmiersprache wechselt von C/AL zu AL, was die Neuschreibung der bestehenden Anpassungen erfordert
- Die Erweiterungen ersetzen direkte Änderungen am Quellcode, was eine Überarbeitung des Entwicklungsansatzes erforderlich macht
- Das Cloud-Hosting (Azure) ersetzt den lokalen Server, mit Auswirkungen auf die Datenverwaltung und Konnektivität
- Die Updates werden automatisch und monatlich, was die feine Kontrolle über den Zeitplan für Versionsupdates entfernt
Die Neuschreibung der Anpassungen stellt den größten Posten eines Migrationsprojekts dar. Ein Unternehmen, das sein NAV im Laufe der Jahre stark angepasst hat, kann sich einem Projekt von mehreren Monaten gegenübersehen, wobei das Budget direkt vom Umfang des angesammelten spezifischen Codes abhängt.
Das Bridge to Cloud-Programm von Microsoft
Um die Migrationen zu beschleunigen, bietet Microsoft ein Förderprogramm namens Bridge to Cloud an, das NAV-Kunden, die zu Business Central wechseln möchten, bevorzugte Konditionen bietet. Dieses Programm richtet sich ausdrücklich an Unternehmen unter NAV, GP und SL, mit reduzierten Cloud-Lizenzen während einer Übergangsphase.
Die Rückmeldungen aus der Praxis sind in diesem Punkt unterschiedlich: Einige Unternehmen betrachten diese Bedingungen als Chance, während andere der Meinung sind, dass die Gesamtkosten der Migration die tariflichen Vorteile bei den Lizenzen bei weitem übersteigen, wenn man Entwicklung, Schulung und Change Management berücksichtigt.

Auf NAV nach 2028 bleiben: Konkrete Risiken und Handlungsspielräume
Einige Unternehmen ziehen in Betracht, NAV über das Ende des Supports hinaus zu behalten, indem sie sich auf ihre bestehenden unbefristeten Lizenzen stützen. Diese Option ist technisch möglich, birgt jedoch identifizierte Risiken.
Ohne Sicherheitsupdates bleibt jede entdeckte Schwachstelle offen. Für Unternehmen, die regulatorischen Anforderungen unterliegen (DSGVO, branchenspezifische Standards), kann das Fehlen von Sicherheitsupdates ein Compliance-Problem darstellen. Externe Audits integrieren zunehmend den Supportstatus von Software in ihre Bewertungskriterien.
Die Unmöglichkeit, den Lizenzbestand nach dem Ende der Servicepläne zu erweitern, schränkt auch das Wachstum ein. Ein Unternehmen, das neue Mitarbeiter einstellt oder einen neuen Standort eröffnet, kann keine Benutzer zu seiner NAV-Instanz hinzufügen. NAV wird zu einem System, das die Entwicklung der Organisation nicht mehr unterstützen kann.
Der Markt für NAV-Kompetenzen zieht sich ebenfalls zusammen. C/AL-Entwickler wenden sich zunehmend AL und Business Central zu, was die Wartung und Weiterentwicklungen immer kostspieliger macht, wenn sie an spezialisierte Dienstleister vergeben werden.
Für Unternehmen, die noch auf NAV 2017 oder früheren Versionen arbeiten, schließt sich das Zeitfenster für Entscheidungen schnell. Diejenigen, die NAV 2018 nutzen, haben etwas mehr Zeit, aber das Migrationsprojekt sollte besser antizipiert als in der Dringlichkeit eines Support-Endes erlitten werden.